Vom Wert guter Schuhe

Nach Maß und allen Regeln der Kunst: handgemachte Schuhe aus der
ungarischen Schuhmanufaktur Martin Harai

Auch wenn Maßfertigung bisweilen als Inbegriff von Luxus gilt, ist sie im Wesen ein solides, ja buchstäblich geerdetes Handwerk: Der Weg zum guten Schuh beginnt wie eh und je am Boden – mit Maßband, Stift und Papier. Martin Harai kartografiert den Fuß mit großer Genauigkeit und fundierter anatomischer Kenntnis: Symmetrie der Zehen, Höhe des Spanns, Umfang des Ballens – schon hier, im allerersten Schritt, spürt man den hohen Anspruch des passionierten Schumachers: Sorgfalt macht den Schuh. Nach akribischer Dokumentation lässt Meister Harai der Kreativität des Kunden freien Lauf. Das Kombinieren von Stil, Schnitt, Form und Farbe, die Wahl von makellosem Boxcalf, weichem Veloursleder oder robustem Cardovan unter kundiger Anleitung zählt zu den schönsten Augenblicken im Prozess: Die Idee des individuellen, unverwechselbaren Schuhs nimmt Gestalt an. Was folgt, sind Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kunstfertigkeit rund um Leder und Leisten. Große Budapester Familientradition, vom Vater Julius Harai an den Sohn weiter­gegeben.

Beim zweiten Ausflug in die Manufaktur, die sich fern von hochglänzenden Lifestylewelten ihren authentischen
Charakter bewahrt, erlebt der Kunde „Work in progress“, probiert den noch skizzenhaften Vorschuh, der sich schließlich beim dritten Besuch zum glänzenden Meisterwerk entwickelt hat.

Vom ersten Maß bis zum Moment, in dem das fertige Paar Harais im dunkelgrünen Karton mit der ungarischen Stephanskrone liegt, braucht es rund zwei Monate und über 1000 Handgriffe: zuschneiden, ausschärfen, glasen, walken, zwicken, nähen – die Verrichtungen haben sich über die Jahrhunderte kaum verändert. Wie die Schuhmodelle selbst. Noch heute haben die großen Klassiker Bestand: Oxford, Derby, Monk, Norweger, Brogue und immer wieder die berühmten Budapester, die so eng mit dem Namen Harai verbunden sind. Zeitlos-schön, klassisch und doch in einer Hinsicht hochaktuell: Gute Schuhe waren immer schon das, was man heute nachhaltig nennt. Sie wertschätzen das Material, überdauern kleine Ewigkeiten und werden dabei – mit etwas Zuwendung und Pflege – immer schöner.

 

Bedenkt man zudem das Wohlgefühl, das ein guter Schuh zu geben vermag, seine gezielt stützende, wo nötig auch korrigierende, in jedem Fall aber haltungsfördernde Wirkung, dann ist Maßfertigung eine höchst empfehlenswerte, vernünftige Angelegenheit. Was nun das genaue Gegenteil von luxuriös ist! Und dennoch: Spätestens beim Tragen eines nach Maß und allen Regeln der Handwerkskunst gemachten Schuhs stellt sich ein Gefühl von wahrem Luxus ein.

Prominente Leisten

Ein Meister

aus Budapest:

Julius Harai hat

die Manufaktur

1947 in Neumünster gegründet.

Rund zwei Monate und über 1000 Handgriffe für ein gutes Paar Schuhe: Martin Harai und sein Team

Der gebürtige Buda-
pester Julius Harai gründete die Manufaktur für „Beste ungarische Schuhe“ 1947 in der holsteinischen Reiterstadt Neumünster. Heute baut sein Sohn Martin feines Schuhwerk für die vielen, oft lang-jährigen prominenten Kunden aus Wirtschaft, Politik, Medien, Kultur und Sport. Auch wenn Diskretion gilt – ein Leisten ist längst Boxlegende: der von

Max Schmeling.